Studienergebnisse 2025
Schleswig-Holsteins Jugend ist hochmotiviert: Praktika als Karrieremotor und starker Trend zum dualen Studium
NORDMETALL legt in Zusammenarbeit mit der NORDAKADEMIE-Stiftung die neue Jugendstudie 2026 für Schleswig-Holstein vor. Die umfassende Befragung dokumentiert die Erwartungen junger Menschen kurz vor dem Abitur an Arbeit und Zukunft und stellt diese den Anforderungen der Wirtschaft an potenzielle Nachwuchskräfte gegenüber. Nach der Premiere im Jahr 2022 in Schleswig-Holstein sowie Erhebungen in Hamburg 2023, Mecklenburg-Vorpommern 2024 und Bremen 2025 liefert die Jugendstudie ein präzises Bild der Grundhaltungen der aktuellen Generation.
Für die Studie wurden nach Zustimmung des Bildungsministeriums 942 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 11 bis 13 an 15 Schulen (überwiegend Gymnasien) in ganz Schleswig-Holstein befragt. Ebenso beantworteten Geschäftsführungen sowie Personal- und Ausbildungsleitungen aus 87 Betrieben mit rund 48.400 Beschäftigten und Schwerpunkt in der Metall- und Elektroindustrie (M+E) verschiedene Fragestellungen.
Die zentralen Ergebnisse sind folgende:
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Praktika als wichtigster Türöffner: Für 91 Prozent der Jugendlichen ist das Schulpraktikum das wichtigste Instrument der beruflichen Orientierung – ein markanter Anstieg im Vergleich zur ersten Erhebung 2022. Auch die Betriebe achten bei Bewerbungen neben Fachnoten und IT-Kenntnissen stark auf absolvierte Praktika. Zusätzlich zur Schule bleibt das Elternhaus mit 57 Prozent ein entscheidender Kompass bei der Berufswahl.
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Schulische Berufsorientierung ausbaufähig: Die Unternehmen bewerten die Berufs- und Studienorientierung an den Schulen im Durchschnitt lediglich mit der Schulnote 3,0 (Jugendliche: 2,7). Praxisorientierte Angebote mit nachhaltigem Neigungs- und Motivationsgewinn werden immer noch zu selten umgesetzt. Die Jugendlichen wünschen sich klare Perspektiven, zudem mehr Informationen zu handfesten Finanzthemen wie Geld, Steuern und Rente sowie den direkten Austausch mit Azubis und Studierenden.
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Kluft zwischen Berufswünschen, Schulfächern und betrieblichem Bedarf: Bei den betrieblichen Handlungsfeldern stehen unter Jugendlichen vor allem Projektmanagement, Forschung und Entwicklung sowie Verkauf und Marketing hoch im Kurs. Die Betriebe suchen hingegen händeringend Nachwuchs für die gewerblich-technischen Berufe. Auch bei den Schulfächern zeigt sich laut der Studie ein gemischtes Bild: Zwar benennen die Jugendlichen Mathematik (30 Prozent) und Englisch (36 Prozent) häufig als Lieblingsfächer, doch die M+E-Arbeitgeber stufen die Bedeutung von Fächern wie Physik oder Informatik noch weitaus höher ein, als es das Interesse der Schülerinnen und Schüler widerspiegelt. Alarmierend für die Industrie: Nur zwölf Prozent der Befragten finden die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) besonders interessant – und unter ihnen befinden sich fast dreimal so viele Jungen wie Mädchen.
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Gehaltschancen in der Industrie werden dramatisch unterschätzt: Die Jugendlichen schätzen die Einstiegsgehälter drastisch zu niedrig ein und verkennen damit das Potenzial der M+E-Industrie. Bei einem Einstieg nach der Berufsausbildung erwarten sie im Durchschnitt rund 2.168 Euro brutto im Monat, während die befragten Betriebe der M+E-Industrie tatsächlich durchschnittlich 3.401 Euro zahlen. Auch nach einem Bachelorabschluss gehen die Schülerinnen und Schüler von lediglich 2.901 Euro aus, während die Realität in der M+E-Branche bei rund 4.250 Euro liegt.
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Werte, Sorgen und hohe Leistungsbereitschaft: Die junge Generation in Schleswig-Holstein will anpacken – und sie bringt dafür eine bemerkenswerte Grundmotivation mit. Gleichzeitig zeigt die Jugendstudie, dass genau diese Eigenschaften von Unternehmen heute als entscheidend betrachtet werden: Motivation, Teamfähigkeit und Lernbereitschaft sind in einer zunehmend unbeständigen und komplexen Welt zu unverzichtbaren Zukunftskompetenzen geworden. Doch gerade diese Faktoren werden von den Jugendlichen deutlich unterschätzt. Die Bereitschaft, in arbeitsreichen Projekten bezahlte Überstunden zu leisten, ist im Vergleich zu 2022 deutlich gestiegen. Bemerkenswert ist auch der Wandel bei den Arbeitszeitwünschen: Schleswig-Holsteins Mädchen wollen heute deutlich häufiger in Vollzeit arbeiten (49 Prozent) als noch vor vier Jahren (41 Prozent). 43 Prozent aller Befragten streben eine Führungsposition an – ein starkes Signal für Engagement und Verantwortungsbereitschaft. Gleichzeitig treiben die Generation ernste Sorgen um. Laut den Daten der Jugendstudie fürchten sich 73 Prozent der Befragten vor Krieg und geopolitischer Unsicherheit, gefolgt von der Angst vor fehlendem bezahlbarem Wohnraum (71 Prozent). Als Ausgleich erwarten sie von ihren Arbeitgebern Perspektive: Ein sicherer Arbeitsplatz, gute Führungskräfte und eine diskriminierungsfreie Umgebung stehen ganz oben auf der Wunschliste. Gerade Mädchen legen auf eine diskriminierungsfreie Atmosphäre sowie betriebliche Altersvorsorge noch größeren Wert als Jungen (85 zu 52 Prozent).
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Lebensrealität: Bildschirmzeit steigt, analoge Praxis sinkt: Die Studie wirft auch ein Licht auf das Freizeitverhalten, das zunehmend digitaler wird. Fast alle Jugendlichen nutzen intensiv Smartphones, und 59 Prozent verbringen täglich mehr als eine Stunde mit Social Media Angeboten. Im Gegenzug kommen handwerkliche Erfahrungen im Alltag zu kurz: Nur 13 Prozent nutzen häufig einfache Werkzeuge wie Schraubenzieher, Zange oder Hammer, bei Elektrowerkzeugen sind es gar nur sechs Prozent. 41 Prozent lesen in ihrer Freizeit nicht.
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Duales Studium boomt: Bei den Plänen nach dem Abitur steht das klassische Hochschulstudium (40 Prozent) zwar weiterhin auf Platz eins, verliert jedoch leicht an Attraktivität. Gleichzeitig gewinnt das duale Studium deutlich hinzu: 81 Prozent der Jugendlichen bewerten ein duales Studium als attraktiv. Für die Betriebe und Kooperationspartner wie die NORDAKADEMIE bietet dies enorme Chancen zur frühzeitigen Fachkräftesicherung.
Thomas Küll, Abteilungsleiter Bildung, Arbeitsmarkt und Fachkräfte sowie Mitglied der Geschäftsleitung bei NORDMETALL: „Die Studie belegt: Die Jugend in Schleswig-Holstein will sich engagieren. Um diesen motivierten Nachwuchs für unsere Betriebe zu gewinnen, müssen wir praxisnahen Orientierungsangeboten noch mehr Aufmerksamkeit schenken. Hierfür bedarf es eines Rahmens, der die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Unternehmen noch mehr fördert, insbesondere mit Blick auf Initiativen der Berufsorientierung. Als Arbeitgebervertreter müssen wir den jungen Menschen und ihren Eltern noch deutlicher machen, wie attraktiv die Perspektiven in der Metall- und Elektroindustrie sind. Beispielsweise hinsichtlich der exzellenten Gehälter, die weit über den Erwartungen der Jugendlichen liegen, aber auch hinsichtlich der Entwicklungsmöglichkeiten. Jeder zweite Jugendliche kann sich grundsätzlich vorstellen, bei uns zu arbeiten – dieses Potenzial wollen wir heben.“
Prof. Dr. Stefan Wiedmann, Präsident und Vorstand NORDAKADEMIE sowie Vorsitzender der NORDAKADEMIE-Stiftung: „Dass über 80 Prozent der Jugendlichen ein duales Studium attraktiv finden, ist ein starkes Signal – und zeigt, dass diese Studienform vielen jungen Menschen genau die Antworten gibt, die sie in einer zunehmend unbeständigen Welt suchen. Das duale Studium verbindet akademische Exzellenz mit einer verlässlichen beruflichen Perspektive und schafft damit Orientierung in einer Phase, in der Zukunftssorgen und Unsicherheiten für viele Jugendliche prägend sind. Junge Menschen wünschen sich heute einen klaren Weg und echte Praxisnähe. Genau das bietet das duale Studium. Um die Lücke zwischen den Projektmanagement Wünschen der Jugendlichen und dem technischen Personalbedarf der regionalen Wirtschaft zu schließen, entwickeln wir unsere dualen Studiengänge im engen Austausch mit unseren Partnerunternehmen kontinuierlich weiter.“

