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Repräsentative Untersuchung offenbart kritische Lücken in der Berufsorientierung – drei Handlungsfelder identifiziert

Drei kritische Mismatches erfordern dringenden Handlungsbedarf

Die Studienergebnisse decken mehrere eklatante Unterschiede und ungenutzte Potenziale auf, die den Übergang von der Schule in den Beruf erschweren:

 

1. Unterschätzte Gehälter und mangelndes Interesse an Industrieberufen

Die Jugendlichen unterschätzen die Verdienstmöglichkeiten in der Industrie massiv. Berufseinsteiger nach einer Ausbildung oder einem Bachelor-Studium schätzen ihr späteres Gehalt um ca. 800 bis 1.100 Euro bzw. 900 bis 1.000 Euro monatlich zu niedrig ein.

 

Gleichzeitig besteht ein deutliches Ungleichgewicht bei den Berufswünschen: Abiturienten interessieren sich kaum für Karrierewege in gewerblich-technischen Berufen wie Montage, Instandhaltung oder Maschinensteuerung. Sie bevorzugen stattdessen Tätigkeiten im Projektmanagement, in Forschung und Entwicklung oder im Verkauf und Marketing.

 

2. Die MINT-Lücke – Eine Herausforderung für Jungen und Mädchen

Trotz des hohen Bedarfs der Industrie an MINT-Kompetenzen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) liegt der Anteil der MINT-Fans (Mathematik und Physik/Informatik als Lieblingsfach) bei den befragten Jugendlichen bei nur 9,0 Prozent. Der Verband mahnt an, dass hier eine frühzeitige und kontinuierliche Förderung entlang der frühkindlichen, schulischen und hochschulischen Bildungskette ansetzen muss, damit Neugier und Interesse in diesen Feldern gestärkt werden. Jungen zählen dreimal häufiger zu den MINT-Fans. Das heißt, nur jedes 50. Mädchen hat z.B. Informatik als Lieblingsfach.

Zudem beschäftigen sich 53 Prozent der Mädchen und 17 Prozent der Jungen nicht mit Computern oder Computertechnologie. Ein großes Problem für die Fachkräftesicherung in Tätigkeitsfeldern mit zunehmend technologischen Schwerpunkten. 

 

3. Unterschiedliche Kriterien für Berufsorientierung und Bewerbung

Die Berufsorientierung an den Schulen wird von den Betrieben mit der Durchschnittsnote 3,2 deutlich schlechter bewertet als von den Jugendlichen selbst (Note 2,6). Die Studien zeigen zudem, dass Betriebe bei Bewerbungen vor allem auf Noten in speziellen Fächern (insbesondere Mathematik), IT-Kenntnisse und erfolgreich absolvierte Praktika achten. Der Notendurchschnitt des Zeugnisses rangiert hingegen nur an sechster Stelle.

 

Thomas Küll, Mitglied der Geschäftsleitung von NORDMETALL: „Berufsorientierung ist wichtig, weil sie jungen Menschen praktische Perspektiven eröffnet und weil sie Schule und Wirtschaft miteinander verbindet. Aber auch alle vor- und nachgelagerten Bildungsphasen sind essenzielle Bausteine für beruflichen Erfolg. Daher denken wir Bildung und Berufsbildung gemeinsam mit unserer NORDMETALL-Stiftung ganzheitlich.“

 

Prof. Dr. oec. Stefan Wiedmann, Präsident und Vorstand der NORDAKADEMIE Hochschule der Wirtschaft sowie Vorstand der NORDAKADEMIE-Stiftung ergänzt: „Deutschlands Zukunft hängt davon ab, junge Menschen früh für MINT zu begeistern – denn hier ist der Fachkräftemangel am größten. Die NORDMETALL‑Jugendstudien zeigen, was Jugendliche motiviert, und helfen uns, ihre Talente gezielt zu fördern. Die NORDAKADEMIE und ihre Stiftung schaffen so Perspektiven für ein Studium, das hochgradig relevant ist, begeistert und Zukunft gestaltet.“ 
 

„Wenn wir heute nicht in die berufliche Orientierung und Ausbildung junger Menschen investieren, wird uns morgen die Fachkräftelücke mit voller Wucht treffen“, fasst Prof. Dr.-Ing. habil. Sascha Stowasser, Direktor des ifaa, die Ergebnisse im Kern zusammen. „Gerade die Metall- und Elektroindustrie muss jetzt zeigen, wie spannend, sinnstiftend und zukunftssicher ihre Berufe sind. Der frühe direkte Kontakt zwischen Unternehmen und Jugendlichen, etwa im Rahmen von Schulkooperationen, ist dabei ein zentraler Schlüssel.“

 

 

Was Unternehmen tun können

 

Thomas Küll zieht ein Fazit aus den Studien: „Es ist wichtig, die Jugendlichen bei ihren Bedürfnissen abzuholen. Dazu gehört der Wunsch nach Spaß an der Arbeit, einem sicheren Arbeitsplatz und Aufstiegsmöglichkeiten – Werte, die wir insbesondere in der M+E-Industrie bereits leben.“

 

Positives Ergebnis: Die hohe Leistungsbereitschaft der Generation Z

 

Entgegen in der Öffentlichkeit diskutierter Klischees zeigt die Generation Z eine hohe Arbeitsbereitschaft und Zukunftsoptimismus:

 

  • Vollzeit und Flexibilität: Zwei Drittel der Jugendlichen streben später eine Vollzeitbeschäftigung an. Ein Viertel wünscht sich die Möglichkeit, je nach Lebensphase zwischen Voll- und Teilzeit wechseln zu können.

  • Führung und Überstunden: Die Bereitschaft für Überstunden ist hoch: 56 Prozent sind grundsätzlich bereit, situativ mehr zu arbeiten. Zudem kann sich knapp die Hälfte der Befragten vorstellen, später eine Führungsrolle zu übernehmen.

  • Zukunftszuversicht: 87 Prozent der Jugendlichen blicken zuversichtlich in ihre Zukunft.

 

Die Broschüre „Berufsperspektiven der Generation Z“ (2022 bis 2024) liefert Unternehmen nicht nur eine fundierte Datengrundlage, sondern auch konkrete Anhaltspunkte, wie der frühzeitige, direkte Austausch mit Jugendlichen zur Lösung der Fachkräftefrage beitragen kann.

Broschüre Jugendstudie.png

Der Arbeitgeberverband NORDMETALL hat in Zusammenarbeit mit der NORDAKADEMIE und deren Stiftung sowie dem ifaa – Institut für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. – die Ergebnisse der NORDMETALL-Jugendstudien 2022 bis 2024 veröffentlicht. Befragt wurden mehr als 2.700 Abiturientinnen und Abiturienten sowie 200 Geschäftsführungen und Personalleitungen aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Die Ergebnisse beleuchten das kritische Ungleichgewicht zwischen den Erwartungen der Generation Z und dem dringenden Bedarf der Industrie an qualifiziertem Nachwuchs. Die vollständigen Ergebnisse der Studien stehen in dieser Broschüre zur Verfügung.

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